Gesundheitsblog

Der Flexner Report (1910 - 1936) - der Moment wo Jahrtausende von Heilkunst und Heilwissen zur Schwurblerei wurde. 

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, hat vor über 200 Jahren etwas ausgesprochen, das - damals selbstvertändliches Wissen - bis heute den Kern jeder ganzheitlichen Heilkunst berührt:

Homöopathie wirkt nicht über einen chemischen Wirkstoff im klassischen Sinn, sondern über die Lebenskraft (von Hahnemann „Dynamis" in China Chi, in Indien Prana, in der TEM Archeus, Pneuma, hebräisch Ruach genannt) eines Wesens. Diese Lebenskraft ist es, die reguliert, organisiert und – bei Störung – Krankheit hervorbringt; und sie ist es, die durch potenzierte Arzneien, Heilpflanzen, lebendige Nahrung und Lebensordnung, wieder in Ordnung gebracht werden soll.

Die moderne Naturwissenschaft steht diesem Konzept bis heute ratlos gegenüber – nicht, weil sie es widerlegt hätte, sondern weil sie schlicht kein Messinstrument dafür besitzt. Kein Gerät der Welt kann „Lebenskraft" in Joule, Volt oder Millimol oder gar die Kraft der Seele angeben oder messen. Das bedeutet nicht automatisch, dass es sie nicht gibt. Es bedeutet nur, dass sie sich dem reduktionistisch-physikalischen Zugriff entzieht – so wie sich auch Liebe, Bewusstsein oder Schmerzempfinden keiner Waage darbieten, obwohl niemand ernsthaft ihre Existenz bestreitet.

Der Bruch 1910 - 1936: Flexner-Report und wirtschaftliche Interessen

Der entscheidende Bruch in der westlichen Medizingeschichte fand nicht in einem Labor statt, sondern am Schreibtisch eines Bildungsreformers.1910 veröffentlichte Abraham Flexner (Beruf Lehrer) im Auftrag der Carnegie Foundation und der Rockefeller Foundation den sogenannten Flexner-Report, eine Bewertung der nordamerikanischen medizinischen Ausbildungsstätten. Finanziert wurde die Umsetzung seiner Empfehlungen maßgeblich durch die Rockefeller Foundation, die in den folgenden Jahrzehnten gezielt jene Universitäten und Colleges förderte, die sich auf ein rein naturwissenschaftlich-pharmakologisches Medizinmodell festlegten – und den Geldhahn für all jene zudrehte, die ganzheitliche, homöopathische, eklektische, osteopathische oder pflanzenheilkundliche Lehrinhalte beibehielte.

Die Folge: Innerhalb weniger Jahrzehnte

schlossen in den USA über 60 Prozent der Ausbildungsstätten für Medizin,

während sich das biomedizinisch-pharmazeutische Modell als einzig „legitime" Medizin etablierte oder besser – etabliert wurde.

Man könnte das ohne weiteres als Putsch im Medizinsystem betrachten?

Wer bedenkt, dass sowohl Rockefeller als auch Carnegie zu jener Zeit massiv in die petrochemische und pharmazeutische Industrie investiert waren, dem drängt sich eine unbequeme, aber legitime Frage auf: War hier tatsächlich reine wissenschaftliche Qualitätssicherung am Werk – oder auch die Sicherung eines Absatzmarktes für synthetische, patentierbare Arzneistoffe, die sich mit unpatentierbaren Kräutern und Globuli nicht erzielen ließ?

Ich möchte nicht behaupten, dass jede Facette der Flexner-Reform ohne Wert war – manche Qualitätsstandards in der Ausbildung waren zweifellos überfällig. Aber die Gleichzeitigkeit von wirtschaftlichem Eigeninteresse und ideologischer Verdrängung ganzer Heilsysteme in die Ecke der „Scharlatanerie" ist historisch belegt und verdient es, offen benannt zu werden – nicht als Verschwörungstheorie, sondern als ökonomiegeschichtliche Tatsache.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederholte sich dieses Muster in Europa: Auch hier setzte sich zunehmend das US-amerikanische biomedizinische Ausbildungsmodell durch, und die traditionelle, jahrhundertelang gewachsene europäische Naturheilkunde geriet in dieselbe Schublade der „Esoterik" heute "Schwurblerei" – obwohl sie über Generationen - ja Jahrtausende - hinweg, weltweit Menschen begleitet und geheilt hatte, lange bevor es ein einziges Antibiotikum gab.

Meine Grenzlinie: Wer bin ich – Apparat oder Wesen?

Für mich persönlich lässt sich daraus eine klare, undogmatische Trennlinie ziehen, die niemandem etwas vorschreibt:

Wer sich selbst als geistig-seelisch-körperliches Wesen begreift – als jemand, der mehr ist als die Summe seiner Organe und Biochemie –, ist bei komplementärmedizinischen, ganzheitlichen Methoden gut aufgehoben eventuell sogar als primäre Heilkunde. Hier wird nicht nur der Befund behandelt, sondern der Mensch in seiner Gesamtheit: seine Lebenskraft, sein Milieu, seine Biografie, sein seelisches Erleben.

Wer sich hingegen als rein physisch-chemisches Subjekt versteht, ist in der Schulmedizin bestens versorgt. Diese leistet auf ihrem Gebiet – Akutmedizin, Chirurgie, Notfallversorgung, klar messbare pathophysiologische Prozesse – Herausragendes und soll dafür auch die verdiente Anerkennung erhalten.

Beide Zugänge schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Aber die Wahl, welchem Menschenbild man folgt, sollte jedem selbst überlassen bleiben – und nicht durch einseitige Förderpolitik oder ideologische Abwertung vorentschieden werden.

Anton Kummer

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